Freitag, 19. August 2016

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Na das ist mir ja wieder ausgezeichnet gelungen - Chaos stiften und Menschen verletzen. Mein Bruder und einige andere Verwandte kamen vor einiger Zeit auf die Idee, ein Stück Familie zusammen zu bringen, damit keiner mehr allein ist und so eine Art Seifenblasenfamilienidyll erschaffen wird. Zu diesem Zweck wurde ein Familienchat angelegt, in dem sämtliche Cousinen und Cousins zu Wort kommen dürfen. Mein Bruder hat dort die "gute Laune - Moderation" übernommen. Am Anfang war ich irgendwie angetan von der Idee, einfach weil auch ich mich nach Harmonie sehne. Dann habe ich das getan, was bei Strafe verboten ist - ich hab schlafende Hunde geweckt.

Zur Vorgeschichte: Ich habe eine Cousine, ungefähr in meinem Alter, der ich als Kind sehr zugetan war. Ich habe sie bewundert und verehrt. In den Ferien wurde ich oft bei ihr (bzw. meiner Tante) abgeparkt. Sie brachte mir das rauchen bei und wie man sich cool benimmt. Sie nahm mich mit zur "Disco" (Gott, wie altbacken das klingt). Dort stellte sie mir auch einen Exfreund vor. Da er ja ein Exfreund war, liess ich mir von ihm, dankbar dafür dass auch ich einen Markt habe, die Zunge in den Hals stecken. Er mochte mich und liess sich später auch nicht durch die geografische Enfernung zu meiner Metropole abschrecken. Er besuchte mich und bescherte mir den ersten Orgasmus meines Lebens - da war ich 14. Meine Cousine war missgestimmt und wir stellten den Kontakt ein. Ich machte mir keine großen Gedanken drum und hatte Spaß mit ihrem Ex. Es war der Auftakt zu meiner Jagd nach dem was andere haben. Es sollte mir die Bestätigung bringen, dass auch ich liebens- und begehrenswert bin. Ich mochte den Ex solange bis die Orgasmen ausblieben. Ich nahm es einfach als Zeichen, dass er eben nicht der Richtige für mich ist und ließ ihn sitzen. Irgendwann hatte ich dann auch wieder Kontakt zu meiner Cousine. Ich war ca. 22 Jahre alt als ich zu ihr fuhr, um mir bei ihr die Wunden zu lecken, die mein Leben, mein Männerverschleiss und meine Beziehungsunfähigkeit hinterlassen hatten. Dieses mal stellte sie mir einen Ex vor, der auch noch in ihrer Wohnung wohnte, weil es bis dato noch keine Veranlassung gegeben hatte, sich auch räumlich zu trennen. Wenn sie arbeiten war, schauten wir gemeinsam Dokus und quatschten über Gott und die Welt. Er tat mir gut. An meinen Abreisetag, meine Cousine war schon beim Brötchenerwerb, beugte er sich zu mir über den Tisch, um mich zu küssen. Es ertönte kein Geigenspiel, aber es brachte mich durcheinander und später erneut auf die absurde Idee, dass er mein Leben nun richten solle. Als er und meine Cousine mich einige Wochen später im Krankenhaus besuchten, lud ich ihn übers Pfingstwochenende ein. Auf die verwunderte Nachfrage, ob sie da auch mitkommen könne, erteilte ich meiner Cousine eine abschlägige Antwort. Sie war fassungslos. Und das war der endgültige Bruch zwischen uns. W. zog zu mir in die Metropole und wechselte für mich seinen Dienstort. Er holte für mich ein paar Sterne vom Himmel, aber das alles war mir nicht genug, wieder begann ich meinem Psycho hinterherzulaufen. Ich wollte W. nicht betrügen, darum schenkte ich ihm reinen Wein ein. Wir trennten uns nach zwei Jahren erst räumlich, dann ziemlich schnell auch als Paar. Meine Cousine vertrat weiter öffentlich, ich hätte ihr W. ausgespannt. Auch mein Bruder wollte meine Version nie hören und positionierte sich (natürlich unwissentlich), indem er sie weiter besuchte und schöne Wochenenden mit ihr verbrachte. Ich gehörte nicht mehr dazu. Ich war die böse, Männerfressende Schlampe. Ich wette, mein Bruder schämte sich schon damals nicht nur für sein Elternhaus, sondern auch für mich. Für mich waren die Folgejahre bis Anfang 2001 weiter von meinem Psycho und vielen untauglichen Beziehungsversuchen geprägt. Psycho trieb mich an den Rand des Abgrunds (meinte ich damals) und ich stalkte und bettelte um Liebe, bis er mir (ungewollt), endlich die lachende, knochenarschige Dritte präsentierte. Ich sah das junge Glück zufällig in einem Biergarten, in dem Cabrio meines Fotografen sitzend, den ich zum Halten zwang.

Ich sprang aus dem Auto und baute mich vor meinem Psycho und seinem Magersüchtigen, sächsisch sprechendem Anhängsel auf. Anstatt zu sagen, ihr habt euch wirklich verdient, war ich mal wieder kleinlich und überraschte mich selber mit den netten Worten: "Du bist das grösste Arschloch, das mir jemals in meinem Leben begegnet ist." Zwei erschrockene Augenpaare brannten sich auf meinem Weg zurück zum schicken Cabrio in meinen Rücken...(Fortsetzung und Erläuterungen folgen vielleicht)

Ja und in diesem Moment im Hier und Jetzt, piept mein Handy. Mein Bruder schreibt mir, dass ich ihn zu den anderen auf den Müll legen kann, die meiner nicht wert sind. Eben so wie ich es auch schon mit Vater, meinem Freund und einigen Freundinnen getan habe. Ich hätte ja sicher noch einen Haufen anderer Freunde, die sich so behandeln lassen wollen. Er tut sich das jedenfalls nicht an. Mir bleibt fast das Herz stehen.

Ich hatte ihn gebeten, zu dem Familientreffen mit uns und Mama in einem Haus zu wohnen. Er meinte, ihm wäre das egal, Hauptsache er hat ein Bett. Ich schrieb ihm, dass der Kleine Prinz an dem Wochenende Geburtstag hat und dass es mir wichtig wäre. Heute hat meine dicke Cousine die Hausbelegungspläne geschickt. Sie hat meinen Bruder und dessen Frau ihrem Haus zugeordnet. Alle bedanken sich im Chat euphorisch für die grossartige Organisation und ich ticker meinem Bruder folgende Botschaft: "Total super!"

Ich fühle mich verarscht und verraten und hatte bis eben noch das Gefühl, dass ich meinem Bruder super peinlich bin und er sich prophylaktisch schonmal woanders einquartiert, bloss nicht mit mir in Verbindung gebracht werden möchte. Das ist villeicht schizo von mir, aber gerade dass er (lieber) bei der im Haus wohnt, als mit uns, (seiner Familie) ist ein Schlag ins Gesicht. Für mich hieß dass, er positioniert sich und glaubt, dass ich damals ihre Typen in mieser selbstherrlicher Absicht ausgespannt habe. (Die Dicke soll doch froh sein, dass mir die Typen nachgelaufen sind, sonst hätte sie vielleicht noch ihr Leben mit Männern geteilt, die bei der erstbesten Gelegenheit, fremd gegangen wären.) Ok, das meine ich nicht wirklich ernst. Aber die Unterstellung, dass ich immer der unangenehme Störenfried bin, der aus rein egoistischer Motivation agiert tut sehr weh. Er fragt mich, was er nun schon wieder falsch gemacht hat und ich antworte ihm, nichts, die Dicke hat ja den Belegungsplan gemacht. Daraufhin platzt ihm der Kragen und er schreibt, dass er jetzt schon keinen Bock mehr hat, weil ihn meine abwertenden Worte über Familienmitglieder abtörnen und dass er keine Lust auf Zickenkrieg hat, das Treffen solle ja kein Jahrmarkt der Eitelkeiten sein. Schwupp sind meine Probleme wieder klein und niedlich. Ich verspreche ihm, dass ich selbstverständlich Harmonie versprühen werde, oder aber zu Hause bleibe, damit er dort in Ruhe den Pausenclown mimen kann. Puh, das war gemein, ich weiß. Ja, so kam es also zu seiner "Müll-Nachricht". Meinen Anruf drückt er weg. Ich schreibe also, dass mir der "Pausenclown" leid tut. Und fühle mich so mies. Er schreibt, er hat sein halbes Leben lang immer einstecken müssen (ja, dass weiss ich) und ich solle vergeben. Tja und dann sprudelt es aus mir heraus, dass ich der Cousine nichts zu vergeben habe und dass er es mir überlassen muss, ob ich Vater vergebe. Der hat mich zwar nicht geprügelt, aber teilhaben lassen. Und er hatte im Suff seine Hand zwischen meinen Beinen, weil er im Rausch nicht unterscheiden konnte, ob ich Muttern, oder aber seine 9-jährige Tochter bin. Und ja, ich hab mir nie etwas anderes gewünscht, als eine heile Familie. Darum habe ich nach der Geburt des kleinen Prinzen an Vaterns Tisch gesessen und mich bewirten lassen. Ich schrieb, dass ich Beziehungsunfähig bin und mein Leben nur als Statist führe.

Ja mein großer Bruder hat Recht, ich bin erwachsen und habe das Ruder in der Hand. Jeder dieser Tage ist ein Überlebenskampf. Ich zwinge mich zum Essen, zum arbeiten, zu allem. Mein Sohn sagt mir, wie lieb er mich hat und ich denke, und ich bin so eine furchtbare Mutter. Ich muss mich bewegen. Ich muss wieder funktionieren und nicht nur sagen, dass er mir wichtig ist und alles bedeutet, sondern auch leben.

P.s. Ich bitte um Entschuldigung für meine orthografischen Fehler, aber im Moment hat mich die Pseudodemenz im Griff und ich tippe die meisten, meiner Einträge als Memo auf meinem Smartphone.

Mittwoch, 17. August 2016

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Ich bin die Tochter eines Alkoholikers. Ich „durfte“ meine ersten 16 Lebensjahre unter seiner „liebevollen Obhut“ aufwachsen. Ich „durfte“ miterleben, wie er meine Mutter tyrannisierte, beschimpfte und schlug. Er nannte sie daheim „du dumme Kuh“. Abends forderte er sie zärtlich mit den Worten: „Alte komm endlich ins Bett.“ zum Geschlechtsverkehr auf. Meine Mutter ergab sich ihrem Schicksal, um ihn nicht noch mehr zu erzürnen und der drohenden Prügel zu entkommen.
Ich erinnere mich nicht und weiß nicht, ob mich mein Vater jemals liebevoll in den Arm genommen hat. Die Bilder von einem betrunkenen Vater hingegen, der zitternd und blutend, nach einem Treppensturz im Suff, auf einem Sessel im Wohnzimmer sitzt, haben sich tief in mein Hirn gebrannt.
Mein Bruder sagt, ich soll die Vergangenheit ruhen lassen, schließlich bin ich ja heute erwachsen und habe ein gutes Leben. Er sagt, die 16 Jahre wären nicht mal ein Drittel meines Lebens und ich solle aufhören, Vater für alles, was schief läuft verantwortlich zu machen. Ich fühle mich unverstanden und ich bin wütend. Ich weiß, dass ich die Vergangenheit nicht ändern kann. Ich weiß auch, dass sich Vater nie bei mir entschuldigen wird.
Mein Bruder hat ein Nest gefunden, schluckt allabendlich einige Biere und wünscht sich, dass ich die schlafenden Hunde nie mehr wecke, da er sich in seinem Leben schon genug für sein Elternhaus geschämt habe. Er wünscht sich, dass ich aufhöre mit dem Opfergehabe, denn schließlich hat er ja all die Jahre Prügel bezogen.
Nein, ich wurde nicht windelweich geprügelt und ich wurde von meiner Mutter geliebt. Doch sie konnte mich nicht behüten, weil sie das Opfer meines Vaters war. Ich habe bis heute kein Nest gefunden. Ich konnte Nähe nie gut aushalten und wenn mich jemand wirklich schätzte war ich umgehend wieder Single. Ich schätze mich nicht, warum sollte das ein Mann tun, wenn er einigermaßen klar im Kopf ist. Ich bekomme oft gesagt, dass ich klug und stark und sexy bin. Ich erfahre Bestätigung in meinem Job. Daheim bekomme ich durch meinen Scheiß-Perfektionismus gar nichts auf die Reihe. Meine Rechnungen begleiche ich erst dann, wenn die Mahnung schon ins Haus flattert. Steuererklärungen werden einen Tag vor der Deadline abgegeben. Beim Putzen fange ich an drei Orten gleichzeitig an und bringe es nicht zu Ende.
Ich habe versucht meinem Vater Brücken zu bauen. Als mein Ziehsohn starb rief ich ihn an. Ich dachte, ihm würde klar werden, dass es sich jetzt entschuldigen muss, weil dieses Leben endlich ist. Das letzte Jahr endete mit dem Hirninfarkt meiner Mutter und das Neue begann mit dem tragischen Tod von D. Es folgte der Hautkrebs meiner Mutter, die Feststellung eines Tumors in ihrem Darm, einer Leberzirrhose, sowie zum krönenden Abschluss ein Nierenversagen. Ich habe meiner Mutter beigestanden, so gut ich konnte. Eine Freundin erlitt einen Herzinfarkt, eine andere forderte mehr Empathie meinerseits, sowie die Einsicht meiner Fehler. Mein Freund verließ mich, weil ihn meine Art zu leben und mein Schnarchen abschreckten und da bin ich nun: ausgebrannt, aber gewillt, es in die Reihe zu bekommen. Ich will nicht mehr der Beziehungsgestörte Pausenclown sein, ich möchte das Recht haben, zu sagen, dass meine Kindheit traumatisch war, ich will mich nicht mehr unterordnen, ich möchte mich entspannen lernen und vor allem das Loslassen. Ich möchte selber entscheiden, ob ich meinem Vater vergebe, ich möchte nicht erzogen werden. Ich möchte nett zu mir sein und ich möchte meinem Kind ein warmes Nest bieten. Ich möchte wieder Energie für mein Leben.
Meine Mutter ist wieder auf dem Damm, der kleine Prinz ist bis morgen in Frankreich, der Ex auf nem Lehrgang, die Einsicht fordernde Freundin in Schweden, der Bier trinkende Bruder auf Mopedtour. Nachdem ich nun tagelang organisiert habe, haben die Kassen grünes Licht gegeben. Sie übernehmen die Kosten für meine teilstationäre Klappse. Der Therapeut in dieser Einrichtung wird entscheiden, ob ich mich dort mit meinen Indikationen einloggen darf. Für meinen Sohn habe ich eine Betreuung im Ersatzhort klar gemacht. Ich hab ihm schon vor seiner Reise gesagt, dass die Reha für mich notwendig ist. Die Weichen sind jedenfalls gestellt – Zeit für einen Nachtschlaf.

Sonntag, 7. August 2016

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Warum tut das so verdammt weh? Das hat er sich doch nicht in einer Nacht ausgedacht? Warum hat er nicht mit mir geredet? Hab mich gefragt, warum er nochmal so nachtreten musste. Dann ist mir wieder eingefallen, dass genau dieser Ton von Anfang an ganz normal war. Respektlos, untolerant und laut. Ich hab mich wohl gefühlt im zweiten Anlauf. Ich hab immer alles gesagt. Ich zweifle nicht daran, dass das richtig war. Er war mir wichtig, er war mein Partner. Das er mir jetzt unterstellt, er sollte die Defizite ausbügeln, die ich bei der Erziehung meines Sohnes angerichtet habe zeugt nicht gerade von großer Intelligenz und macht mich rasend! Ich fand seinen Umgang mit meinem Kind nicht gerade einfühlsam und noch nichtmal freundschaftlich. Ja der Kleine schmatzt und erzählt mit offenem Mund beim Essen. Der schlaue Mann hat sofort erkannt, dass das nur einer meiner schweren Erziehungsfehler ist. Was für ein Idiot! Als ich damals dachte ich wäre schwanger, schrieb er mir, als ich aus diesem Grund bei meiner Frauenärztin saß, dass er kein Kind will und das läge nicht daran, dass ich älter bin als er. Ich dachte, Scheisse, jetzt ereilen mich die Wechseljahre und ich werde nie ein zweites Kind bekommen, auch dann nicht, wenn er dann mal soweit ist. Als die Regel endlich einsetzte, nahm ich brav die Pille, hatte üble Laune und 21 Tage hörte die Regel auch nicht mehr auf. Ich fing wieder mit dem Rauchen an. Nur so konnte ich ihn auch küssen. Ich wollte ihm vergeben und wirklich neu starten. Ich wüsste gerne was geschehen ist. Aus meinen Erfahrungen weiß ich ja, dass Gefühle sterben und dass man dann Kleinigkeiten in den Focus nimmt und summiert. Nicht dass er Kleinigkeiten moniert hat - ganz im Gegenteil. Ihn stört ja, wie ich mein Leben lebe. Das ist gravierend. Das kann ich nicht von heute auf morgen ändern. Und wenn ich es könnte, würde es bestimmt trotzdem nicht reichen. Er hat meine Not nicht gesehen, es hat ihn nur abgeschreckt und genervt. Ich hab meine Haare umgefärbt und dass gefiel ihm nicht. Ich hab in unserer letzten Nacht erfolglos an ihm rumgespielt, es war frustrierend. Und dann habe ich auch noch geschnarcht. Nun bin ich Single, 5 Kilo leichter, habe hohen Blutdruck und versuche noch einmal mein Leben zu ändern. Ich vermisse ihn, auch wenn er ein gedankenloses Arschloch ist. Er ist feige und unfair. Und er droht mir. Es ist Zeit, mir sein "Zahnfoto" anzuschauen, damit ich ohne Frust schlafen kann.

Zahnfoto

Montag, 1. August 2016

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Ich bin immer noch nicht kollabiert, die Synapsen schließen noch, ich kämpfe noch, ich plane und organisiere noch. Heute war mein erster Auftritt bei einer Psychiaterin. Nach einer zermürbenden Wartezeit von fast drei Stunden, wurde ich endlich hereingebeten. Ich war genervt, gereizt, kaputt und zermürbt - genau richtig für ein Erstgespräch. Nach einem 5-Minuten-Monolog meinerseits, schaut sie mich an und sagt: „Ich schreibe sie erstmal vier Wochen krank.“ Sie empfiehlt mir eine Tagesklinik hier vor Ort und ich werde panisch. Ich will nicht von 8:00 Uhr bis 16:00 Uhr weggesperrt werden. Habe von der Therapeutin dort auch noch nichts Gutes gehört. Sicher sorgt die für eine schnelle Aufnahme von Privatpatienten, aber sie interessiert sich leider nicht für deren Wohlergehen, sondern für die Scheine, die ein Selbstzahler da über den Tresen schieben muss. Da ich schon seit Freitag meine „Hausaufgaben“ mache, lege ich ihr mein fertiges Therapiekonzept vor. Ich möchte eine ambulante Reha in der Patienten sowohl kardiologisch, als auch psychotherapeutisch betreut werden. Ich lege ihr die auszufüllenden Formulare und den Kostenvoranschlag auf den Tisch. Ihre Augen werden immer größer. Dann arbeitet sie den üblichen Fragenkatalog ab. Essen, Trinken, Schlafen, Traurigkeit, Lust auf Sex, Konzentrationsschwierigkeiten, Gereiztheit usw.? Ja ich esse, wenn ich in Gesellschaft bin. Ich trinke viel Kaffee. Ich schlafe irgendwann nach Mitternacht, ich bin traurig, habe keine Lust zum Vögeln und kann mich nicht gut konzentrieren, bin schnell gereizt und stehe so unter Druck, dass ich locker mehrere Dampfloks antreiben könnte.
Es ist furchtbar, wie sehr man sich als Privatpatient anstrengen muss, wenn man von seinem Leben eine Pause haben muss, um sich neu zu sortieren. Es ist einfacher mit einem Infarkt eine Reha zu bekommen, am besten vom Sozialmedizinischen Dienst im Krankenhaus organisiert. Aber muss man wirklich erst zusammenbrechen mit bleibenden Schäden???? Und muss es klassifiziert werden, ob das Blut auf Grund von Stress, oder auf Grund von organischen Schäden mit Hochdruck durch die Adern gepumpt wird? Ich brauch jetzt wirklich erstmal einen Nachtschlaf, damit ich morgen gleich weiterkämpfen kann. Kasse und Beihilfestelle anschreiben, Rechnungen begleichen, und den Vertrag mit dem neuen Schulcaterer abschließen. Wäsche waschen, Bad putzen uvm.

Sonntag, 31. Juli 2016

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Bin aufgeregt und nervös. Das macht natürlich wieder Haushaltslähmung. Aber ich habe mir einen Zettel geschrieben, den ich abarbeiten kann. Ich analysiere immer noch, was natürlich überflüssiger Quatsch ist, aber der Megacrash soll ja wenigstens für irgendwas gut sein. Ich hab mich als WIR so sicher gefühlt und ich war ich selber. Mal nicht verbiegen und verrenken, auch beim Sex nicht, das war so schön. Bin diverse male an einem Orgasmus vorbeigeschrammt - das war wunderschön. Leider hat sich das defekte (?) Kontrollzentrum immer wieder dazu geschaltet. Ich vermisse das normale Beisammensein. Ich vermisse den lauten, aufgeregten, selbstherrlichen Typen. Ich mochte sogar seinen "Pansen". Für mich war er glatt, warm und schön. Mein Kreislauf ist immer noch ordentlich am Werken und beschert mir, trotz Blocker, einen Wahnsinns-Blutdruck. Ich hab jeden Tag Angst (oder wünsche ich es mir?), dass es einen Knall gibt und ich aus den Latschen kippe. Das geht natürlich nicht, weil sich niemand um den kleinen Prinzen kümmert. Meine Mutter schleppt sich durch die Tage. Manchmal ist ihre Sprache verwaschen und sie klingt, als wäre sie schon im Delirium. Jedes Telefonklingeln lässt mich vor Angst erstarren. Meine Schwester wird heute Abend einspringen, aber meine Verantwortung und die Taxi-Fahrten bleiben, da sie kein Auto mitbringt. Vielleicht hilft es trotzdem, vielleicht ist es auch eine Mehrbelastung. Ich werde mich weiter um ein ambulantes Plätzchen in der psychosomatischen bemühen, so könnte ich alles unter einen Hut bekommen. Was meine letzte Freundin betrifft, bin ich froh, dass sie nicht weiter an mir rumzottelt und versuche die Pause ohne schlechtes Gewissen zu genießen. Ich habe sie überstrapaziert, keine Ahnung was das bedeutet. Vor 5 Jahren hat sie den kleinen Prinzen bei sich aufgenommen, damit ich mich schnell mal einer Stammzellentransplantation unterziehen konnte. Dafür bin ich ihr noch immer dankbar, weil der Kleine sonst in einer Pflegefamilie gelandet wäre. Aber es ist wie ein grosser belastender Schuldenberg auf meinen Schultern, weil ich weiß, dass ich nach jeder ihrer Hilfestellungen Prügel kriege. Alles dreht sich nur um mich, ich nehme sie nicht wahr und frage nicht nach ihrem Wohlergehen. Ich habe ihre, in letzter Zeit auf Eisschokolade begrenzte, Fürsorge genauso entspannt genossen wie mein WIR mit meinem Expartner. Ich habe geglaubt, das ist in Ordnung und die machen das, damit ich mich mal zurücklehnen kann. Nun geht die Reise auf meinen Pulverfass eben weiter. Und ich versuche mich an die neue Reihenfolge zu gewöhnen. Erst ich, dann mein Sohn, dann eine Weile Nichts! Ich soll Dinge tun, die mit gut tun und das werde ich jetzt. An meinen Fehlern werde ich arbeiten, auch wenn ich erschöpft bin, denn ich tue es für mich (schließlich bin ich ja egozentrisch und manchmal ist das wohl sehr gesund).

Dienstag, 19. Juli 2016

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Na das war ja eine ordentliche Breitseite. Ich bin eine unordentliche Schlampe, die alles aufschiebt und ihr Kind nicht ordentlich erzieht. Und ich schnarche und träume von meiner Frühpensionierung. Das ist symtomatisch für alte Leute und sehr abschreckend und nervend. Und das passt nicht zum jungen, aufstrebenden Kerl, der noch voll im Saft steht und die "Defizite" die ich durch die mangelhafte Erziehung bei meinem Kind angerichtet habe, nicht ausgleichen möchte. Da war kein gutes Haar mehr an mir, kein liebes Wort. Ich möchte sofort Urlaub vom Leben. Und ich möchte endlich Zeit für meinen Nervenzusammenbruch. Zum Thema Schnarchen möchte ich gerne noch zitieren: "So was hat in den letzten 20 Jahren noch nicht neben ihm gelegen". Ich bin "so was", ich bin ein "was", ich bin kein "wer" oder auch ein "jemand". Also Danke für deine erwachsene Motivation, deinen liebevollen, fürsorglichen Umgang mit mir und meinem Sohn. Danke für deine eklige ockerfarbene Bettwäsche, deinen Bauchpansen und deine ungepflegten Zähne. Danke für das "Anherrschen" in der Nacht, wenn ich schlafe, so dass ich vor lauter Schreck und vor Angst zu schnarchen, gar nicht mehr schlafen kann. Danke für das Wegdrehen und Wegrutschen nach dem Sex. Danke für all die vielen Hilfestellungen und für deine konstruktive Kritik. Danke für deinen ausgezeichneten Musikgeschmack (Text und Melodien, werden ja heutzutage völlig überbewertet, wichtig ist doch, dass es laut ist und die Bässe fast die Decke durchschlagen). Danke für die vielen kleinen Aufmerksamkeiten und Danke für die Erkenntnis, dass ich ein Dinosauria bin. Danke, dass ich nun endlich weiß, dass ich mit klaren Strukturen und Organisation im privaten Alltag überfordert bin. Ich bin seit heute ein "was" und das hilft mir sehr, denn so eine Form von Zweisamkeit wünsche ich mir auch nicht. Ich werde mich weiter bemühen, alles unter einen Hut zu bekommen, ich werde aufräumen, putzen und kochen, Zeit mit meinem Kind verbringen, mich um meine kranke Mutter kümmern, weiter fleissig in meinen Job sein. Und ich brauche dich dazu nicht! Ich werde aufhören, dein Vorankommen im Job zu unterstützen und ich werde dich regelmässig mit deiner aufbrausenden, unüberlegten Art auflaufen lassen. Du stehst nicht am Anfang in deinem Job - du bist das letzte Glied in der Nahrungskette und kannst dich weder zusammenreissen noch benehmen. Sei die sicher, dass dein Willen, deine Unkompetenz nicht aufwiegen kann. Ich bin jetzt fertig mit dir. Und siehe da, es geht mir schon viel besser!!!

Sonntag, 8. Mai 2016

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Habe gerade, von meinem schlechten Gewissen getrieben, meinen letzten Beitrag deaktiviert. Was Worte so alles anrichten können. Ich bin erschrocken, dass ich zu dem Zeitpunkt an dem ich den Beitrag schrieb, jedes Wort so meinte. Die Dinge ändern sich, aber das geschriebene Wort bleibt. Tatsächlich habe ich ihm gerade ein „Ich hab dich lieb“ – Whatts App geschrieben und klebe jetzt am Telefon, weil ich auf eine ebensolche Botschaft warte. Scheiße, wer bin ich? Wer hat diese Frau in meinen Körper gesteckt? Wie kann ich mir selber über den Weg trauen? Warum bin ich so schizo? Und wovor habe ich solche Angst? Das Telefon schweigt. Ist das die Antwort? Er wirkt nach wie vor aufbrausend, dann wieder mürrisch und genervt. Ist es doch besser, keine positiven Gefühle zuzulassen. Ist es nicht schlauer, solch alberne Gemütsregungen für sich zu behalten? Mag er mich überhaupt noch, oder ist ihm inzwischen klar, dass es mit mir niemals locker und leicht sein kann? Bin ich vielleicht einfach nur wieder prämenstrual? Warum kann nicht einfach mal alles gut sein? Ich gehe Kräftemäßig auf dem Zahnfleisch. Mein Körper streikt mit mir und schickt mir neben meinem verspannten Nacken, Kopfschmerzen.
Puh, das Telefon hat Nachrichten aus dem Jenseits. Ein „Ui“, als Honorar für mein Lippenbekenntnis, sowie ein „Ich hab dich auch lieb“. Gott, bin ich erleichtert. Kann das wirklich so einfach sein? Ich mag ihn, er mag mich und der Rest fügt sich schon?
Jetzt kann ich in Ruhe schlafen. Morgen steht die letzte Physio an. Ich muss einen Termin für das Aufmaß meiner Küche organisieren, meine Körperersatzstücke bezahlen, um einen Zahlungsaufschub für den noch nicht zurück erstatteten Betrag beantragen. Hausmeister und Hausverwaltung über das tropfende Eckventil unterrichten und einfach überleben.

Freitag, 8. April 2016

Für jede Lösung ein Problem

Und da war es wieder soweit. Nachdem ich so langsam einen Gemütsstatus erreicht hatte, den man gut als zufrieden bezeichnen konnte, musste ich unbedingt ein neues Kartenhaus errichten. Dieses Mal unter dem Motto: Ich binde mein Kind mit ein, damit es keine Vögelgeschichte wird. Was für ein guter Plan. Wahrscheinlich hatte ich eine Gehirnerschütterung, so dass mich nicht mal die ungepflegten Beißerchen, ein Bauchpansen und der Brandenburger Slang abschrecken konnten. Es war ein großartiges Projekt. Zähne kann man richten lassen, Ernährung kann man umstellen und am Slang wird auch ein wenig gefeilt. Die cholerischen Anfälle verbuchte ich geschickt als eine gewisse Unreife, die sich bestimmt noch im Alter verwachsen würden. Ockerfarbenes, fleckiges Bettzeug, lange Fußnägel und Kritik an meinem Trendsetter-Outfit, sowie Kritik an meinem wunderschönen spacigem Kleinwagen, trübten die erträumte Idylle doch in einem rasanten Tempo.

Vor ein paar Monaten las ich ein Buch, dass von einem Mädchen handelte, welches sich selbst nicht mochte. Immer wenn sie einen Mann traf, der Interesse an ihrer Person hatte, wusste sie, dass das nur ein Looser sein konnte, warum sonst sollte er sie sonst mögen…?

Vielleicht war ich einmal dieses Mädchen, aber ich will es nicht mehr sein. Diesmal war es eben ein Looser und er hat mich nicht verdient. Wenn er jetzt glaubt, er hätte mich aus seinem Dunstkreis subtrahiert – umso besser. Das erspart lange Erklärungen. Ich unterstell ihm auch einfach eine Zahnarztphobie, so dass er nicht gleich morgen mit strahlend schönem Gebiß seine neue, halb so alte Flamme präsentieren wird. Das würde mein neues Ego nicht so mögen. Ich ärger mich jetzt noch ein wenig darüber, dass ich nicht wirklich Haltung bewahrt habe, denn „Arschloch“ gehört nicht in ein erwachsenes Vokabular, aber was solls, Rom wurde schließlich auch nicht an nur einem Tag gebaut.

Es ist Frühling, ich werde meine morschen Knochen durch die Physiotherapie wieder richten lassen, die Müdigkeit bekämpfen, eine Putzfrau anschaffen, ausmisten und nach vorne schauen.

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