Sonntag, 6. April 2014

05.04.2014

Das monotone Klagelied in meinen eigenen Texten verursacht mir langsam einen Würgereiz. Endlich ist die Wohnung aufgeräumt, hell und freundlich - doch noch immer ist in mir das Chaos und Angst. Das bin ich doch alles gar nicht. Warum kann ich mich denn nicht entspannt zurücklehnen und die Dinge einfach geschehen lassen? Warum will ich denn nur immerzu das Steuer in der Hand haben. Warum setze ich stets voraus, was der andere wohl jetzt denkt und tut. Warum ist ein "Verliebt sein" so anstrengend und verwirrend. Dabei habe ich trotz on - off so viel geschafft. Wie ein aufgezogener Duracell-Hase hetze ich von Termin zu Termin. Rette uns (mit Unterstützung) vor dem erneuten Finanzdisaster und müsste glücklich und zufrieden sein. Ab und zu kommen Meldungen von A., der tatsächlich mehr als pünktlich letzten Samstag auf der Matte stand. Mit ihm macht alles Spaß. Reden, schweigen, Albernheiten erzählen, verkleiden, betrinken. Der große Junge in dem Edelmännerkörper macht die Farben intensiver, er lässt die Zeit stillstehen und gibt mir Ruhe und Gelassenheit. Doch dann verschwindet er immer wieder, um zerknirscht und reumütig wieder aufzutauchen - ich kapiere es nicht. Ich kann nur mutmaßen. Andere Frauen stecken nicht dahinter. Er redet von Panikattacken, hohem Blutdruck und dem Wunsch alleine zu sein. Ok. An mir liegt es nicht und ich werde den Teufel tun und Druck machen. Aber ich will das nicht. Ich halte das einfach nicht aus. Lieber möchte ich jetzt gehen. Ich muss für meinen Sohn funktionieren. I`m not strong enough.

28.03.2014

Na sowas, pausenlos das Telefon anstarren und mir zu wünschen, dass es endlich klingelt, bewirken irgendwie gar nichts. Der liebe A. ist wieder im Toter-Mann-Modus und ich kann nichts dagegen tun. Wahrscheinlich ist sein Handy zum vierten Mal heruntergefallen, oder er hat nun beide Hände in Gips, weil ihm etwas anderes Furchtbares zugestoßen ist. Sein "Wir reden, wenn wir uns sehen." ist auch nicht mehr als eine höfliche Floskel. Kein Mensch weiß, wann das wohl sein wird. Die Sitzung gestern bei Frau B. - mega anstrengend. Ich selbst - mega anstrengend. Typischer Wechseljahresfrust an bestimmten Tagen. Die Welt ist schlecht und grau und trist und mein selbstgebauter Aufgabenberg wächst und wächst.

Freitag, 21. März 2014

Die Außerirdischen

Was solls, bevor ich es nicht niedergeschrieben habe, finde ich sowieso keine Ruhe. Also Schreibtherapie:

Mein kluger, warmer und charmanter Ritter wurde tatsächlich von den Außerirdischen entführt. Nicht an dem Tag, als mich das erste Mal diese Unruhe plagte (natürlich gab es eine plausible Erklärung), sondern immer dann, wenn wir vage verabredet waren. Ein Leitersturz mit Beckenprellung, ein geschrottetes Telefon, eine durchgezechte Nacht wegen seines Geburtstags - die Außerirdischen Entführer haben viele Beschreibungen und Synonyme. Eine eingefrorenen Online-Zeit verursacht mir Bauchschmerzen. Und plötzlich ist der Himmel, der eben noch voller Geigen hing. leer. In mir ist Stille. Kein tobendes Brausen - ich atme noch und ich bin noch da. Ohne Haushaltslähmung, ohne Selbstzweifel. Wehmütig schaue ich nochmal auf drei wundervolle Dates zurück und schreibe die finalen Worte, die unbeantwortet beim "toter Mann spielenden" Ritter landen. Ich weiß, dass der Himmel auch nach der nächsten Erklärung leer bleiben wird. Ich gehe, bevor ich von einem "versanden lassen" zerrieben werde und bin stolz auf mich.

Montag, 10. März 2014

Bevor du kamst war ich nur einer dieser Steine...

Und nun ist er da. Humorvoll, gutaussehend, charmant, hilfsbereit, klug und warm. Bin völlig geflasht. Meint er wirklich mich? Ich liege in seinen Armen und denke, so soll das immer sein und ich wünsche mir, dass die Zeit stehen bleibt wenn er mich zärtlich küsst. Kann das wirklich sein, oder beherrscht mich lediglich der Wunsch, dass ich endlich angekommen bin?

Jetzt habe ich 10 Stunden nichts von ihm gehört und bin schon wieder am Rande des Wahnsinns. Das müssen die die Außerirdischen gewesen sein. Klar, die haben ihn entführt. Es kann keine andere logische Erklärung geben. Was ist passiert? Hat er diesen verdammten Blog hier gelesen? Hat ihn eine alte Flamme zurückerobert? Ist tatsächlich etwas Schlimmes passiert? Meine Finger zucken zum Telefon. Nein, nein, nein - ich rufe ihn nicht an. Er wird sich schon melden...

http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=AMT9IOyXmBM

Mittwoch, 26. Februar 2014

Keine Wartemarken mehr

"Und schwupp bin ich wieder grummelig. Eben war ich noch zufrieden und ausgeglichen. Doch dann schrieb der alberne Wolfsjunge tatsächlich, er müsse erstmal sehen, was dienstlich ansteht. Nee, so geht das nicht. Nicht nachdem ich wochenlang an meiner neuen Version gefeilt habe. Muss er eben bleiben, wo der Pfeffer wächst. Keine Wartemarken mehr, kein: "Bitte warten, Sie werden platziert." Wenn er sich nicht in meine Zeitfenster einpasst, dann will ich das nicht mehr."

Das schrieb ich vor einem Monat, doch ich stellte es nicht online. Heute bin ich wieder mit meinem Redebedarf sitzen geblieben und ich ich stelle fest, dass ich genau diese Worte schreiben wollte. Nun muss ich das nicht mehr. Zeit für einen Schlussstrich. Nein, ich will das wirklich nicht mehr. Soviel halbherziges Anschmachten, ohne sich wirklich einen Arm auszureißen, leeres Geschwätz über ein UNS und heimliches am Hintern fummeln. Dann auch noch die Frechheit besitzen, um ein Exclusivbefummelrecht bitten - mich sollte mal dringend jemand kneifen, damit ich wach werde.

Mister X ist irgendwie von der Bildfläche verschwunden, nachdem er sich noch einmal per Whats app herabließ zu fragen, ob alles gut bei mir wäre. Flach wie eine Taschenuhr.

Graf Zahl ist in den Hafen der Ehe eingekehrt und spart Steuern in geschmackloser Herzchenbettwäsche mit seiner ebenso geschmacklos zurecht gemachten Frau. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle. Was bin ich froh, dass ich meinen Kinderlosen Abend vor einer Weile, lieber im Bett verbracht habe, anstatt ihm über den Weg zu laufen. Manchmal höre ich ja auf mein Bauchgefühl. Komplette Gesichtsentgleisungen und Wortfindungsstörungen gehören nicht in die Öffentlichkeit. Vor allem dann nicht, wenn es sich um meine Ausfälle handelt. Wäre ein kurzes "Um- die-Häuser ziehen" geworden.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=BMSZq29HvLk

Montag, 6. Januar 2014

"Los, nimm ihn in den Mund!"

Das ist wirklich verrückt, musste heute andauernd an den doofen Graf Zahl denken und hätte am liebsten eine E-Mail an ihn verfasst. Dabei sollte doch mein Männerbedarf gedeckt sein. Und wenn ich in meinem chaotischen Dasein etwas nicht gebrauchen kann, dann jemanden, der selber so unzufrieden ist. Vor allem sollte es ja auch jemand sein, der auch noch etwas anderes als den Austausch von Körperflüssigkeiten mit mir beabsichtigt.

War am Wochenende mit den Mädels unterwegs. Dabei durfte ich Zeugin eines Gesprächs zweier Mitte-20ig-jährigen, männlichen Brathühnern werden. Es ging um das Ansprechen von Frauen. Sie sagten, wenn sie eine Frau wirklich interessant finden, fehlen ihnen die Worte. Wenn es aber eine Frau ist, die ihnen egal ist, dann geht auch als Auftakt: "Los, nimm ihn in den Mund!".

Ich war fassungslos. Genau so läuft das.

Warum wohl hat mir Graf Zahl damals die Zunge in den Hals gerammt (davon abgesehen, dass er sich damit auch noch vor meiner Freundin, die seine großen Gefühle nicht erwidern wollte, in Szene setzen konnte).

Warum wohl hat mir Mister X, gleich als Auftakt, sein Gemächt in Extase gesandt? Man muss eine echte Idiotin sein, wenn man das als respektvolles Annähern und Interesse an seiner Person wertet. Ich ärgere mich, dass ich mir das von Mister X bieten lassen habe, nur weil das 1. Date echt ein gelungener Abend war, der erst zu vorgerückter Stunde in wilder "im Auto-fummeln-Extase" endete. Was habe ich für Abstriche gemacht. Meine Güte, der Mann sächselt (geht überhaupt nicht), hat ne Glatze (gar nicht mein Fall) und ist auch noch häßlich tätowiert (gegen schöne, geschmackvolle Tatoos habe ich ja nichts). Und die rührselige Geschichte, über Mister X partielle Mitbewohnerin, die auszog und nur noch an den Wochenenden bei ihm weilt und leider noch meint, dass sie und Mister X ein Paar wären, klang nach dem ersten mal vögeln mit ihm plötzlich so: "es ist schwierig mit uns". Na klar vögeln die noch. Und sein: "Ich würde dich doch nicht zum Duschen einladen, wenn da noch jemand anderes wäre", hätte er sich einfach mal klemmen sollen! Der Blitz soll ihn treffen und ich wünsche ihm Cholera, oder Pest, oder am besten beides! Einfach weil ich mich am Anfang entscheiden möchte, ob ich ne Affäre haben will. Nicht solche halbschwule Scheiße.

Die kleinen Brathühner haben eine Lawine ins Rollen gebracht. Dazu bin ich auch noch prämenstrual und wurde in den letzten Tagen von meiner Libido gequält (Herr Bankdirektor bot selbstlos Hilfe an, nur leider nicht im passenden Zeitfenster). Und wieder denke ich an Graf Zahl, den ich wirklich gerne unter anderen Umständen kennengelernt hätte. Der wäre jemand gewesen, den ich mir nicht schön trinken müsste. Der gefiel mir einfach vom ersten Moment an. Der hat Hirn, Humor und leider seine beschissenen Lebenserfahrungen und Traumatas. Aber der ist auf seine böse Art wenigstens ehrlich und damit kann man leben. Es tut mir leid, dass ich den so bestalkt habe. Schade, dass der meine merkwürdigen Gefühle nicht erwidern konnte. Aber so läuft das eben.

Trotzdem fühle ich mich schon wesentlich besser als im Herbst und möchte mich nicht mehr von mir trennen. Ich glaube, ich bin schon ganz in Ordnung und irgendwann wird das jemand entdecken und eher sprachlos sein, anstatt als Auftakt zu wählen: "Los, nimm ihn in den Mund."

http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=26PAgklYYvo

Sonntag, 8. Dezember 2013

Online shoppen, oder schreiben???

Kurzer Blick auf den Kontostand. OK, also schreiben. Wiedermal schlaflos in meiner Stadt, versuche ich das Chaos in meinem Kopf zu ordnen und dass zu sagen, was ich sagen will, ohne dass es an die falsche Adresse gerät und mich in Teufels Küche bringt. Anstatt die alten Muster abzulegen, jage ich mit Vollgas in die nächste Katastrophe. Gerade habe ich mich, dank meiner Frau B. wieder einigermaßen im Griff und bin wirklich guten Willens, ein paar Dinge zu ändern, da schneit Mister X in mein Leben. Mister X nimmt auch kein Blatt vor den Mund, schickt mir eindeutige Bildchen und anstatt das alles zu löschen, übermannt mich meine Libido und ich antworte entsprechend. Ich lerne das nie. Warum kann ich denn nie die Füße stillhalten??? So bahnt sich doch keinesfalls eine 30ig -jährige Ehe an. Mein Blut pulsiert wieder einige Etagen tiefer und mein Hirn ist ein wertloses Vakuum. Immer die gleichen Fehler. Und ich hoffe, ich kann meinen Arsch noch retten. Als ich gerade ganz hingerissen bin von seiner Art, wird mein Gehirn unverhofft wieder durchblutet. Ich werde die Kurve kriegen. Ich muss es nur oft genug vor mich hin murmeln.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Schnitt und Rückblende

Es ist Silvester - ich warte auf meinen Vater, der auch heute einen halben Tag in der großen Stadt gearbeitet hat. Endlich rasselt ein Schlüssel im Schloss. Ich laufe los und springe meinem Vater auf den Arm. Er schlägt lang mit mir hin und bleibt reglos liegen. Ich bin verwirrt. Meine Mutter hilft mir auf die Beine und sagt: "Mach dir keine Sorgen. Papa schläft ein bisschen."

Jahre später. Wir sind in die große Stadt gezogen. Mein Vater muss nicht mehr jeden Tag pendeln und trinkt sein Bier jetzt nicht mehr im Zug, sonder zu Hause. Es ist wieder Silvester. Ich bin mit Freunden verabredet. Meine Eltern sitzen im Wohnzimmer. Sie trinken und streiten. Im Spiegel schaut mir ein sorgfältig geschminktes Mädchengesicht entgegen und ich erkenne mich kaum - gut so. Ich laufe ins Wohnzimmer, um mich zu verabschieden. Es soll schnell gehen. Habe keine Lust mir den stetigen Wechsel der Gefühle meines Vater mit reinzuziehen. Wenn er nicht laut streitet, wird er anfangen zu weinen und dann seine Dienstwaffe suchen. Mir ist schlecht, obwohl ich noch keinen Tropfen Alkohol getrunken habe. Sie halten mich nicht auf und ich atme befreit auf, als die Wohnungstür hinter mir ins Schloss fällt.

Und noch ein paar Jahre später. Meine Mutter hat ihr Nachtlager in meinem Kinderzimmer auf einer Luftmatratze eingerichtet. Mein großer Bruder sitzt an der Tür, um uns zu schützen, falls mein nackt durch den Flur laufender Vater zudringlich werden sollte. Ich höre meinen Vater murmeln: "Dreck gesellt sich zu Dreck. Dreck gesellt sich zu Dreck." Eine Endlosschleife. Kein Traum!

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Die Büchse der Pandora

Was tut man, wenn man seine Umwelt nicht weiter mit seiner Persönlichkeitsstörung belästigen möchte? Richtig - man bewegt seinen Hintern zu einem Seelenklempner. Dort lädt man alles ab, was sich in den letzten Jahrzehnten aufgestaut und angesammelt hat. Wer sonst, soll das auch alles ertragen? Man muss niemanden mehr quälen mit seinem "Ich". Die Warterei auf den Prinzen mit dem weißen Pferd, der einen von seinem Dämon befreit und liebevoll therapiert hat endlich ein Ende. Niemand passt in mein Leben, so wie es jetzt ist. Es gibt keinen wirklichen "Markt" für mich. Ich bin ein Ladenhüter und ich will jetzt damit klarkommen. Gut, die A-Sexualität ist nicht freiwillig, aber sie schafft Raum für meine Aufräumarbeiten. Kann nicht sagen, dass das Öffnen der Pandora - Büchse ein Kinderspiel war, aber sie war trotz sprudelnder Worte und Tränen ein Anfang von etwas Gutem.

http://www.youtube.com/watch?v=OOgpT5rEKIU&feature=player_detailpage

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