Nach dem 5. "Och Userli, lass doch endlich gut sein.", ist es endlich bis zu meinem Gehirn vorgedrungen. Und nun ist es einfach, birgt allerdings die Gefahr, dass ich meinen Weg nicht zu Ende gehe und lieber auf die nächsten Eskapaden warte, die dann nicht mehr so glimpflich ablaufen. Anstatt meine Ruhepause zu genießen, geschehen tausend Dinge. Die kleine Nichte räumt auf, mein Erzeuger klopft sich selbstgefällig auf die Schulter und vergisst, dass er einfach nur Glück hat, dass wir die "schlafenden Hunde" netterweise ruhen lassen. Mein Bruder erscheint auf der Bildfläche und bringt ein Stück von der Vergangenheit mit, die zur Abwechslung gut war. Auch ich räume auf. Ich beginne mit der äußeren Ordnung und arbeite mich langsam zu meiner lockeren Schraube vor.
userli - 7. Okt, 17:51
Ich hocke immer noch im Schlafanzug. Die Sonne lacht und verhöhnt mich gerade zu: "Los komm raus, bewege dich. Versuch mal anstatt 1 oder 0, einfach nur 0,5!" Guter Rat. Aber ich muss immer alles im Eiltempo, mit wehendem Haar in den Sand setzen. Ständig kann ich darauf wetten, dass wenn mein kleines Universum in bester Ordnung ist, mir doch spontan etwas einfällt, wie ich diesen harmonischen Zustand beenden kann. Nie kommt Langeweile auf. Dann kann ich noch nicht mal sagen, dass alle anderen schuld wären. Stets ist mein Elend liebevoll hausgemacht.
Ich hoffe inständig, dass ich daran noch was biegen kann. Wäre ich eine Schallplatte, wäre ich ja erst beim 1. Titel der B-Seite - also alles noch möglich. Doch dieser Tag heute ist wohl nicht mehr zu retten. Bin verliebt ins Verliebtsein. Bin verwirrt, weil der Verstand das klar sieht und der Bauch einen Alarm macht, als wäre ich ein Teenager. Schwarz oder weiß, ich kann nichts anderes. Es gibt keine Nuancen. Wo ist das Grau geblieben? Nicht mal das Negativbeispiel eines Freundinnen-Stalkers hält mich lange auf. Ihgitt , das war ich in männlicher Version. Und es war so erbärmlich, so durchschaubar, so rollig.
Nein, er wird mich nicht um meine Gesellschaft bitten, es wird keinen Spaziergang mit Händchenhalten geben. Er hat mich ja nicht drum gebeten, ihm Avancen zu machen. Sie sind so unnötig wie ein Buckel, oder ein Kropf. Es ist nichts, als ein sportlicher Wettkampf, den ich am Ende einfach nicht aushalte und keinesfalls gewinne. Ich will ja damit aufhören!
http://www.youtube.com/watch?v=BdmKb9X60n4&feature=player_detailpage
userli - 29. Sep, 15:39
Langsam sollte ich mein kleines Hirn etwas rechtslastiger trimmen. Ich geh mir selber so auf die Nerven, dass ich mich eigentlich einfach nur wegschlafen möchte, eine Auszeit von mir nehmen. Habe keine Zeit für Geduld. Scheiß Bauchgefühl, wer braucht das schon? Die Welt dreht sich einfach weiter, morgen ist es wieder leichter und übermorgen lach ich drüber.
http://www.youtube.com/watch?v=cEplGZ_M7s8&feature=player_detailpage
userli - 29. Sep, 02:48
Bekomme langsam einen Vorgeschmack, wie es sein wird im "dankbaren Alter" zu sein. Mein kleines Ego hat sich gestern kaum aufgebäumt, nachdem ich mir einen Korb (also genau genommen, ein kleines, wirklich nettes Körbchen) eingefangen habe. Tatsächlich konnte ich ohne meckern und murren in mein Bettchen gehen und meinen Nachtschlaf genießen. Was ist da nur los? Hat der Zahn der Zeit echt schon so an mir genagt, dass die Müdigkeit über meine Libido siegt? Oder bin ich seit neuestem verständnisvoll und großartig? Das wird es wohl sein. Oder lag es am Korbverteiler? Ist ja nicht so, dass ich den nicht scharf finde. Der reizt mich schon, auch wenn das für meine "Gewissensberater" nicht wirklich nachvollziehbar ist. Gut, am Anfang fand ich seine Art zu kommunizieren ja etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn der Groschen erst mal gefallen ist, ist er durchaus amüsant.
Nach der Feststellung, dass auch er nur ein Mann ist (ja, auch er wird nervös und verschüttet Wein), hatte ich nicht den Eindruck, dass das für mich ´ne gefährliche Kiste wird. Ich muss ihn nicht pausenlos bestalken und wenn ich nichts von ihm höre, muss ich auch nicht durchdrehen. Er besitzt einen eigenartigen Charme, der mich berührt. Und ich fühle mich oft von ihm ertappt. Dann bohrt er kurz in der Wunde und bringt mich zum Lachen. Null Chance, da irgendetwas romantisch Verklärtes draus zu machen. Es ist schön, dass da mal jemand auf Augenhöhe ist.
userli - 25. Sep, 20:10
„Männer sind aus dem gleichen Grund untreu, aus dem sich Hunde ihre Eier lecken – sie können es eben.“ (aus Sex and the City)
Und doch gibt es gravierende Unterschiede. Die einen quälen sich danach (vielleicht auch dabei?) mit einem schlechten Gewissen und die anderen tun einfach was ihnen Spaß macht und nehmen sich, was ihnen gefällt. Ich bin froh, dass ich nach meinem Trip mit dem zarten Pflänzchen (dem vom Gewissen gebeutelten Wolfsjungen) doch noch an einen Mann (Graf Zahl) geriet, der mir das Gehirn wieder an die richtige Stelle vögelte. Nicht eine Sekunde musste ich den Eindruck haben, dass etwas Verbotenes stattfindet. Der wusste definitiv „wo alles ist“ und auch erwachsene Kommunikation war ohne Umstände möglich.
Die Frage des Wolfsjungen ob ich Samstagnacht rumgevögelt hätte (ich wirkte noch Tage später entspannt) konnte ich ruhigen Gewissens verneinen (meine Ausgeglichenheit, dank Wiederaufnahme in die Erwachsenenwelt, stammten ja schließlich vom Freitagsausflug). Es verwirrte mich ein wenig, dass Männer so etwas riechen wie Trüffelschweine, doch es degradierte auch die Hand des Wolfsjungen an meinem Hintern zu einer lächerlichen und überflüssigen Geste.
userli - 6. Sep, 22:03
Und schwupp, bin ich das letzte dicke Hortkind am Tisch. Die letzten Messen sind gesungen und traurig klingt der Schlussakkord in Moll. Bin ein bisschen pissig, weil ich die Notbremse schon vor gefühlten 100 Jahren ziehen wollte. Nun kneift er. Das muss doch mein Part sein - verdammt. Horche in mich hinein und suche nach einem Emotiönchen. Bis auf mein kleines verletztes Ego alles in bester Ordnung. Musste dieses Mal nicht viele Federn lassen.
Mein Catsuite ist angekommen. Sieht heiß aus. Habe mir das Ding vorhin angzogen, nachdem ich sicher sein konnte, dass der kleine Prinz tief und fest schläft. Der Winzling soll schließlich kein Trauma kriegen. Die zweite Haut sitzt perfekt und passt irgendwie gut zu mir. In der Taille könnte er ein paar Nummern enger sein, aber mit einem Gürtel kann man das gut kaschieren - bin wohl doch kein dickes Hortkind. Passendes Schuhwerk in Lack mit irre hohen Absätzen ist auch schon in mein Einkaufskörbchen gefallen. Klingt bekloppt, aber ich freu mich.
userli - 29. Aug, 22:32
Bin hin und her gerissen. Er sagt, dass er mich nicht von der Bettkante schubsen würde. Hatte mir schon Zeit geschaffen für einen experimentellen Ausflug. Doch nun ist wieder alles anders. Bin gereizt, weil ich meine Tage bekomme (was eigentlich ja ein Grund zur Freude ist - schließlich ein Zeichen dafür, dass ich nicht in den Abgrund stürze). Das passt nicht in mein Konzept. Und ich wollte doch gar keinen Mitmacher. Ich wollte ursprünglich auch gar keinen Sklaven, weil ich ja selber die Verantwortung abgeben wollte. Doch seit letztem Freitag finde ich die Idee, eine Herrin zu sein, mehr als reizvoll. Ich muss einen neuen Superlativ von Ambivalenz erschaffen, um nur annähernd das Chaos in meinem Kopf zu beschreiben. Selbstverständlich könnte ich mich morgen (also nachher) zurecht machen und an seine Tür klopfen. Ja und sicher würde er mich herein bitten. Ich bin ausgehungert und es wäre sicher ne geile Nummer. Im Anschluss würde ich wieder auf seinen Anruf warten, weil ich mir eine Wiederholungsaufforderung wünsche und die Nachfrage nach meinem Befinden. Nichts davon wird stattfinden, weil er ein Mitmacher ist. Und ich weiß, es wird an meinem Selbstwert nagen. Was soll ich tun? Warum sagen Männer nie NEIN. Das ist so ungerecht. Mein Lack-Catsuit wird morgen, spätestens übermorgen eintreffen. Nein, ich bereue den Kauf nicht. Jemand wird den Wolfsjungen ersetzen (nach einer Erholungspause). Wenn ich also Entscheidungen treffen muss und wieder die Verantwortungsarschkarte zugeschoben bekomme, dann sage ich jetzt endlich NEIN und ziehe es auch durch (wenn auch mit den Teufelchen im Kopf, die stacheln: "Du siehst Hammer aus in glänzendem Lack. Und Enthaltsamkeit, trotz Zeitfenster und einem Objekt der Begierde ist komplett bescheuert".)
userli - 29. Aug, 01:07
Rerik, 21.07.2013
Anfahrt und Ankunft gestern gut überstanden. Nach Einlass in das 7-Tage-Domizil und Feststellung, dass es nur ein Schlafzimmer mit einem Doppelbett gibt – hysterischen Anfall bekommen. War mental auf zwei Schlafzimmer und somit auf mein eigenes kleines Reich mit abschließbarer Tür eingestellt – Pustekuchen.
Also mit Schnappatmung zurück zur Rezeption. „Habe für ein Haus Möwe bezahlt, wo ist das 2. Schlafzimmer???“ Die freundliche Dame hinter dem Anmeldungsthresen kocht mich langsam wieder herunter: „Sehen Sie, hier ist Ihre Buchungsbestätigung für ein 2-Zimmerappartement TYP MÖWE“. Tatsächlich habe ich genau diese Bestätigung per Post erhalten. „Wollen Sie mir ernsthaft sagen, ich bezahle für ein Appartement TYP MÖWE das gleiche, wie für ein ganzes Haus (HAUS MÖWE) mit 2 Schlafzimmern?“ Sie wedelt mit der Buchungsbestätigung. Meine Schnappatmung setzt wieder ein. Die Dame nickt freundlich und spricht: „Sehen Sie, ich verstehe dass Sie sauer sind, aber das ist Ihre Buchung.“
Ich spüre meine Ader an der Schläfe pochen. Ich frage süßlich: „Soll ich jetzt mit meiner Mutter und meinem Sohn in einem Doppelbett schlafen???“ „Aber nein, das Wohnzimmer hat eine Schlafcouch.“ Oh ja, die hatte ich schon entdeckt. Ein häßliches Ding mit rotbraunem Kunstlederbezug mitten im Wohnbereich des Appartements. „Wissen Sie, ich habe extra direkt bei der AWO gebucht, weil das Sozialwerk mir nur ein kleines 2-Zimmerappartement zur Verfügung stellen wollte. Meine Mutter hätte nicht mitfahren können, da sie eben meine Mutter und nicht mein Lebensgefährte ist, der als Mitglied des Sozialwerks zählen würde.“
Ich übergebe mich in Gedanken. Wofür werde ich so bestraft? Die Dame bemerkt den Wechsel meiner Gesichtsfarbe von rot zu grün. Sie sagt:“ Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Ich lasse Ihnen das Appartement TYP Möwe (Anm. d. Verfasserin: bitte nicht verwechseln mit HAUS Möwe) günstiger und Sie bekommen für die Woche freien Eintritt ins Schwimmbad.“ Meine Gesichtsfarbe wechselt von grün zurück auf rot.
Zehn Minuten später steht eine Putzfee auf der Schwelle unseres Appartements, bringt auch für mich nun Bettwäsche und Handtücher – ein Traum. Ich helfe ihr beim Kampf mit dem rotbraunen Kunstlederbezug-Monster. Endlich prankt es frisch bezogen im ehemaligen Wohnbereich. Wehmütig verabschiede ich mich von der „7-Tage-Privatsphäre-im-eigenen-Zimmer-Idee“ …
userli - 20. Aug, 23:51
Ich will nichts essen, ich will nichts trinken, ich will nicht wach sein, ich will nicht schlafen. Kann nicht arbeiten. Kümmere mich ordentlich um mein Kind, aber das ist auch schon alles. Mehr geht im Moment nicht. Die Nummer ist immer noch gespeichert.
Es ist 20:10 Uhr, der Kontakt, sowie der Chat ist gelöscht - ich möchte heulen. Auf ein „Wollen wir uns kurz sehen?“ ein „Ehrlich gesagt, nein“ als Antwort zu bekommen hat mich hart getroffen. Er sagt, er will mir keinen Honig ums Maul schmieren. Aber ich hätte mir eine nettere Formulierung gewünscht, aus der ich irgendwie hätte entnehmen können, dass ich in seinen Gedanken bin.
Ich bin traurig, aber ich hoffe dass es jeden Tag wieder etwas leichter fällt meine Beischlafnebenwirkungen unter Kontrolle zu bekommen. Soviel Aufregung und Theater um nichts. Ich möchte vor Scham im Erdboden versinken.
http://www.youtube.com/watch?v=IFrVfH54Q1Y&feature=player_detailpage
userli - 15. Aug, 21:33