Donnerstag, 1. Juni 2017

Ich bin umgezogen

Ihr Lieben,

ich habe meinen Blog hier beendet, da Google scheinbar twoday.net indiziert hat. Damit ich wieder gefunden und gelesen werden kann, findet ihr meine zahlreichen schwachen Momenten auf: https://meinnaechtebuch.wordpress.com. Ich nehme es als Neustart und hoffe, dass ich es dort ab und zu mal schaffen werde auch die positiven Lebensabschnitte niederzuschreiben. Falls nicht, geht davon aus, dass es mir in meinen Schreibpausen immer ausgezeichnet geht.

Vielen Dank für die Zeit hier und Servus

Eure Userli

Montag, 29. Mai 2017

Einer von 80 Millionen

Endlich kann ich es akzeptieren. Kein Geigenspiel. Es rumort in meiner Brust und es tut weh, aber ich bin ihm nicht böse. Trotzdem sind die vielen Fragen in meinem Kopf. Warum ist es immer das gleiche Muster? Warum wollte ich wieder die Erlösung sein? Habe ich es gespürt, dass da jemand anderes ist? Hat mich das zum großen Wettkampf aufgehetzt? Ich werde jetzt die nächste Lektion lernen müssen: Das Loslassen. Mir wird nichts passieren, es wird kein freier endloser Fall und ich kann das überleben, weil am Ende jemand an meiner Seite sein soll, der einen großen warmen Platz für mich in seinem Herzen hat - dieser eine von 80 Millionen. Keine Spielchen mehr, keine Wettkämpfe mehr. Und da ist dann auch schon der Part den ich gelernt habe: wieder aufstehen, das Krönchen gerade rücken und weiter laufen.

Max Giesinger
https://youtu.be/MP8DRaj730Y

Donnerstag, 25. Mai 2017

...

Mein Bruder ist ein Arschgesicht (schöner Einleitungssatz für einen Beitrag, Artikel, na eben mein Geschreibsel). Falls diese Feststellung ein paar Fragen aufwirft, versuche ich es mal zu erklären. Großherzig und tolerant, wie ich bin, müsste ich ja eigentlich milde gestimmt sein und vielleicht bin ich das ja sogar. Meine Mutter hat heute wieder aus dem Nähkästchen geplaudert und es ist symptomatisch für sie, dass es selbstverständlich etwas war, das mein Bruder ihr ganz im Vertrauen erzählt hat. Es ging um das Sorgerecht für meinen kleinen Prinzen. Vor ca. 6 Jahren hatte ich meinen Bruder gefragt, ob er sich um den Kleinen kümmern kann, falls ich bei der Stammzellentransplantation den Löffel abgebe. Ich musste eine Sorgerechtsverfügung verfassen und beim Jugendamt hinterlegen. Seine Antwort lautete damals: "Damit müssen wir uns doch nicht befassen, solange da nichts akut ist." (Ich weiß nicht, ob er jemals nur eine Seite über MDS und Leukämie im Internet gegoogelt hatte - wohl eher nicht. Wenn man Verdrängungskünstler ist, muss man nicht genau wissen, dass meine Statistische Lebenserwartung zu diesem Zeitpunkt 6 Jahre betrug, ohne diesen Lebensrettenden Eingriff, der allerdings in Nullkommanichts zu meinem Tod hätte führen können. Ist das akut?) Nun hat er meiner Mutter kürzlich erklärt, dass er das Sorgerecht nicht wollte, weil der kleine Prinz so "schwierig" ist. Meine wunderbare Mutter, die ja für ihren sorgsamen Umgang mit vertraulichen Informationen bekannt ist, wartete mit dem Weitertratschen bis der kleine Prinz und ich in harmonischer Runde mit ihr am Frühstückstisch saßen: "Dein Bruder wollte den Kleinen nicht, weil er ihn nicht leiden kann und mit ihm nicht klar kommt." Dem kleinen Prinzen und mir klappten synchron die Kinnladen runter. Der Kleine schluckte und konterte: "Ich kann meinen Onkel auch nicht leiden, nur dessen Frau und seinen Sohn." Ich versuchte mich zu sammeln, um die Situation zu retten, aber mein Hirn war leer. Derweilen quasselte Mutter munter weiter: "Ich würde den Kleinen großziehen." Endlich konnte ich wieder Worte finden und sagte: "Das wird nicht nötig sein, ich "rocke" das alleine." Nun habe ich den ganzen Tag Zeit, um mal wieder Wogen zu glätten, dabei wollte ich aufs Meer schauen, entspannen und Vitamin D speichern. Später fragte ich meine Mutter, ob das wirklich nötig war, diesen Monolog in Beisein meines Sohnes zu führen. Es tat ihr leid und das glaube ich ihr auch. Ich werde jetzt duschen, die Scherben aufsammeln und meine Mischpoke trotzdem in die Sonne scheuchen.

Freitag, 19. Mai 2017

Ein Schritt vor und zwei zurück

Habe gestern in all den Wirren glatt meinen 6. Geburtstag vergessen. Stattdessen wurde mir meine 2. Therapiestunde bei einer Trauma-Spezialistin geschenkt. Sie hat mir gesagt, es wird hart zurückzublicken und ich nickte freundlich und automatisch und dachte, ich habe doch schon oft in der Erinnerung gekramt, das wird mich doch nicht umhauen. Ausserdem möchte ich doch schnell arbeiten („meine Hausaufgaben machen“) und bis gestern wieder auf den Beinen sein und perfekt funktionieren. Ich habe nicht mit körperlichen Schmerzen gerechnet, die mich abends im Bett überfielen. Mir war speiübel und mein Kopf drohte zu zerspringen, so dass mein Bettpartner gestern Nacht eine pinkfarbene Schüssel war. Ja, Plastik scheint neuerdings eine Vorliebe von mir zu sein. Dabei hatte ich den Tag recht gelassen begonnen. Tatsächlich habe ich mir ein Bad eingelassen und es auch noch entspannt genossen. Ich weiß nicht, wann ich das zum letzten Mal gemacht habe. Duschen ist doch so wunderbar zeitsparend. Bei der Kriegsbemalung (gestern besonders sorgfältig) achtete ich prophylaktisch darauf, die unteren Wimpern nicht zu tuschen, falls ich heulen muss (wenn dann selbstverständlich auch leise und kontrolliert ohne TamTam und Geschluchze). Ich hasse Selbstmitleid, dass hatte ich schon als Jugendliche fein unter Kontrolle. Als erwachsene Frau habe ich einmal mit Schluchzen geheult. Es ist entsetzlich, wenn einem die Stimme den Dienst versagt und man regelrecht geschüttelt wird von ekelhaften Emotionen. Alles entgleitet. Das der Körper damit sagen will, ich möchte Schutz und Trost, ist eine neue Erkenntnis. Damals wollte ich Verständnis, Einsicht und eine Entschuldigung. Ich habe sie nie bekommen. Ich wurde nur noch weiter aus dem Leben meines geliebten (???) Psychos herauskatapultiert und das prägte sich ein. Ich bin leichter als ein Hund zu konditionieren. Noch heute wird er grün im Gesicht, wenn ich irgendwo auf der Bildfläche erscheine. Das ist traurig, aber es ist nicht mehr mein Problem. Ich hatte ihn viele Jahre therapiert und mir gewünscht, dass ich seine Lösung wäre. Spät, ja fast zu spät kam die Erkenntnis, dass ich auf mich achten muss. Ich war ein Seelenmülleimer wie er im Buche steht und ich stellte mich brav immer wieder hinten an. Wenn ich gehen wollte, zog er das Seil wieder fester und bat mich, weiterhin sein „bester Freund“ zu sein. Wenn ich irgendetwas bin, dann hilfsbereit. Anstatt mir selbst zu helfen, redete ich mir pausenlos ein, das wäre immerhin noch besser als NICHTS. Ich überließ ihm die Verantwortung für mich und gab mich vollständig auf. Ich wusste ja damals erst recht nicht, wer ich bin und schon gar nicht, was ich will. Ich lebte von unserem ersten Kuss in seinem Auto, (der der Beste meines Lebens war) und von dem magischen Moment, als seine Finger meine Hand elektrisierten. Ich war überzeugt davon, dass das die Liebe sein muss. Später (sehr viele Jahre später) stellte ich ihn in der Öffentlichkeit bloß, ich wollte nicht mehr geheim sein. Ich erntete Kopfschütteln, Unverständnis, Ignoranz und machte mich endgültig lächerlich. Selbstverständlich verließ er mich. Ich blieb in meinen kindlichen Bedürfnissen viele Jahre gefangen und wartete im Dornröschenschlaf auf meinen Erlöser.

Schon in der 1. Therapiestunde wurde meine Welt noch einmal auf den Kopf gestellt und mein verklärtes Weltbild verrückt. Auf einer Hoffnungsscala von 1 – 10 gab ich der Hoffnung in mir eine 6. Ich bin nicht verroht und auch nicht abgestumpft – ich bin noch immer berührbar. Ich möchte die Verantwortung für mein Leben tragen, damit ich sie für meinen Sohn tragen kann – ich bin Verantwortungsbewusst. Die Bausteine Intelligenz, Disziplin, Fürsorge, Willensstärke Mut und vieles mehr, wurden von der Therapeutin und mir zusammengetragen. All diese Eigenschaften besitze ich tatsächlich, doch wenn ich einem Mann die Tür öffne, fallen diese Bausteine um wie Dominosteine und ich bin wieder klein, wehrlos und ohnmächtig. Mein Vater schlägt mich zum ersten Mal (und zum letzten Mal) im Suff auf die Nase und überall hin spritzt Blut, meine Mutter schreit ihn an und ich weiß, dass sie nun die Prügel bekommt. Ich kann ihr nicht helfen, denn ich weiß nicht wie. Mein großer Bruder ist nicht Daheim. Ich ziehe mir die Decke über den Kopf - es ist ein ganz normaler Tag.

Anspieltip für heute:
https://youtu.be/AJtDXIazrMo

Samstag, 13. Mai 2017

Neben der Spur, aber auf dem Weg

Mein Handy dingelt den typischen Whatts-App-Eingangston - mein Puls beschleunigt sich auf das Doppelte. Doch nicht der Eismann, die kleine Schwester schreibt mir: "Na du wie war deine Woche und wie geht es deinem Fuß?"
Ich antworte: "Hab viel geschafft. Mit dem Betreuer für den Kleinen lief es auch super, jetzt liege ich faul rum und lese: "Neben der Spur, aber auf dem Weg" von Nina Teichert. Das wurde bestimmt für uns beide geschrieben ;o). Nachher will ich noch Haare färben. Der Kleine zickt und Muttern ist mit R. und B. den Geburtstag von Tante H. feiern, zu dem ich explizit ausgeladen wurde.
Fuß tut immer erst abends weh. Die Scheiß Sehnsucht nach dem Eismann auch.
Oh, und zickt heißt zockt."
Sie antwortet prompt: "Klingt prima und auch nicht mit Fuß und Eismann :o(, hätte dir da anderes gewünscht! Schreibt ihr noch? Und mit der Feier ist auch nicht schön-find ich auch doof!! Wenn du fertig bist mit dem Buch, kann ich mir das mal ausleihen - klingt interessant."
Ich ticker: "Nein, er hat das Schreiben an mich anstrengende Person komplett eingestellt. Das Buch wollte ich dir sowieso unbedingt ausleihen!!!"
"Oh je..hat er es so formuliert?
Ach prima!!"
"Nein, er hat einfach gar nichts mehr formuliert und ich glaube auch nicht, dass ihm etwas zugestoßen ist."
" ;o) du Süße!! Aber ich muss mal sagen, wenn er sich da so schnell raus zieht, versteht er dein Wesen leider nicht bzw. möchte es nicht verstehen!"
"Ich denke viel mehr, dass er es sehr wohl verstanden hat - was allerdings die Konsequenz jetzt auch nicht besser macht."

Mein Musiktip heute: You can't play on broken strings
https://youtu.be/26PAgklYYvo

Donnerstag, 11. Mai 2017

Countdown

In sich selbst gefangen zu sein ist zermürbend und auch grotesk. Viele Fragen in meinem Kopf:
Warum schweigt er jetzt? Tut er das für sich, oder Gedankenlos, oder für mich?
Ich kann nicht wissen was er denkt und eine Antwort würde auch nichts ändern, oder?
Er hat ja alles gesagt, aber es schien mir so wirr. "Ich habe dich sehr gern. Ich bin nicht in dich verliebt. Ich wollte nur Sex und Kuscheln."
Nun ist das große Schweigen. Kein: "Wie geht es dir, was machst du so?" Wenn ich jemanden sehr gern habe, interessiert mich dessen Wohlbefinden. Hab ich ihm so viel Angst gemacht? Hab ich sehr genervt?
Aber egal, ich kümmer mich um den viel zu hohen Blutdruck (209 zu 104) meiner Mutter und schleppe sie zum Arzt, ihre Medikamente werden neu eingestellt, dann eile ich mit dem kleinen Prinzen zum Friseur, der kleine zuckt und wackelt und tut als wäre er auf dem Schafott. Und dann zum HNO wegen seiner Hyposensibilisierung, der Kleine nuschelt die Ärztin voll. Er kann sich nur bei mir klar und deutlich artikulieren - ja ich weiß, meine Erziehungsfehler. Die Wäsche steckt noch vom Vormittag in der Waschmaschine, die muss ich unbedingt nochmal waschen. Einkaufen muss ich auch noch. Abendbrot machen und ich hab dem Kind ne Runde Schach versprochen. Meine Miniprojekte stelle ich heute hinten an, mein Accu ist leer. Ich möchte schreien und weinen, aber ich funktioniere wie immer ausgezeichnet.

Mein Freund ist aus Plastik

Weil ich sowieso beim "Hausaufgaben" machen bin, hab ich mir gleich noch ein Kapitel Masturbationspraxis "gegönnt". Wie ich es jedoch erwartet habe, war es erst geil, dann nervig und am Ende frustrierend. Ich funktioniere nicht, also bin ich böse auf mich und heule. Dabei war heute Raum genug, wollte einfach entspannen. Doch nicht mal in diesem Punkt kann ich für mich sorgen. Außer dass die Waschmaschine läuft und ich geduscht bin, war heut noch nichts Produktives. Die kleine Salamie-Taktik-To-Do-Liste wartet brav auf mich. Die blöden Kondome vom Eismann, erinnern mich daran, dass mein Freund in nächster Zeit aus Plastik ist und keine Hühnersuppe kocht. Ich werde jetzt aufstehen, mich strecken, mir etwas anziehen, meine Fassade glatt bügeln und den 4. Kaffee einwerfen. Etwas Essen wäre auch gut. Ich schaffe das.

Mittwoch, 10. Mai 2017

Das Kind in mir

Eines Tages wird mich das verfluchte Kind in mir umbringen. Ich sollte diesen ganzen verschütteten emotionalen Mist hinter mir lassen. Ich sollte Haltung bewahren, aber immer holt mich diese verdammte Sehnsucht ein. Ich möchte so gerne geliebt werden und ich möchte es so gerne, ohne dass es mich erdrückt. Anstatt meine geliebte Kontrolle zu behalten, sprudeln all diese ganzen Emotionen aus mir raus und walzen jeden nieder, der mich berührt. Ein Drittel sucht das Weite. Die, die das aushalten, dürfen für einen Moment verweilen. Wenn sie wirklich gut zu mir sind verlasse ich sie, weil mich die Zuwendung erdrückt und vor allem weil ich glaube, das sie mir nicht zusteht. Das letzte Drittel behandelt mich nicht gut - damit kann ich umgehen. Und dann gibt es da noch hundert Graustufen. Ich möchte es erleben, wie es ist, wenn einem wahre Gefühle Flügel verleihen. Aber ich bin nicht in der Lage etwas entspannt wachsen zu lassen. Ich bin immer unter Hochspannung und in der absoluten Gewissheit, dass ich es vermasseln werde oder aber einfach in die alte Rolle schlüpfe und mit dem Dämon lebe. Ich hab den Eismann platt gemacht, weil er sich all das wünscht, was ich mir auch wünsche. Es war die perfekte Illusion vom nach Hause kommenden Partner, der mich in die Arme nimmt. Ich wollte doch gar nicht, dass er mich rettet. Ich hab geträumt, dass er mir sagt, ich mag es wie du bist. Ich habe alle meine Baustellen preis gegeben - warum nur??? Vielleicht wollte ich es sagen, dass ich meine Fehler kenne und dass ich dabei bin, es zu ändern. So eine verdammte Scheiße. Vielleicht hatte er wirklich Potenzial. Und ich - ich wußte, dass ich noch gar nicht gerüstet bin. Und jetzt fühlt es sich wie Liebeskummer an, auch wenn es "nur" eine schöne Zeit war, die eine Sehnsucht in mir geweckt hat. Ich bin traurig, aber ich bin nicht lethargisch - ich bewege mich jeden Tag ein Stück. Und ich habe Hilfe bekommen. Ich notiere die kleinen Schritte und freue mich über die kleinen erreichbaren Erfolge.

Mein Musikvorschlag für heute:
Alessia Cara
https://youtu.be/Em7vc8NWUNY

Montag, 24. April 2017

Das vergessene Land

Bis auf die entscheidende Frage, ob ICH ihn denn wirklich will, wurden alle Fragen beantwortet. Würde sich jemand anders so benehmen wie ich, würde ich ihn schütteln, oder mich kaputtlachen, oder aber beides. Nach 3maligem netten Vögeln, darüber nachzudenken, ob man in ein von der Zivilisation vergessenes Stückchen Erde zieht, ist aber auch wirklich grotesk. Im Märchen wäre das ja so. Im Märchen ist es ja auch egal, wo man sich geografisch befindet, weil das zu Hause immer da ist, wo der Auserkorene wohnt.

Ich hatte einen Plan. Ich dachte erstmal beschnuppern und wenn er mir dann seine riesige Zuneigung zu mir gesteht und dass er kein Problem damit hat, mit einer durchgedrehten, schwerhörigen, halbblinden, nach Qualm stinkenden, unstrukturierten, alleinerziehenden Hubschraubermutter eines ADS-Kindes, sein Leben zu teilen, falle ich ihm um den Hals und ein Geigenkonzert ertönt aus der Ferne. Dazu rieseln wahrscheinlich Rosenblütenblätter auf meine Zornesfalte. Ich sage Vater Staat, dass ich in die Frühpension gehe und dass das Geld reicht, weil sich dort ohnehin alle ihre Pullover aus der Hausschafwolle stricken. Ich packe meine fast 80jährige Mutter unter den einen Arm und meinen zappelnden, Rotzblasenweinenden kleinen Prinzen unter den anderen und gemeinsam reiten wir in das vergessene Land (das zugegebener Maßen auch traumhaft schön sein kann) zum Auserkorenen. Der schließt uns alle 3 überschwenglich in die Arme und sagt dem kleinen Prinzen, dass er ihm immer ein liebevoller Väterlicher Freund sein wird und dass er mich und meine Mutter behüten wird wie einen Schatz.

Szenenwechsel:

Das Telefon piept und mein Herz macht einen Sprung – ein Foto vom Auserkorenen. Ein Penis (sein Penis) macht sich auf dem Display breit. Irgendwann knipps ich das Licht aus. Ich hab noch eine Stunde Zeit zum Schlafen. Der kleine Prinz kommt in mein Zimmer, ich spüle mir die Müdigkeit in der Dusche herunter, stürze schnell zwei Kaffee, derweilen ich sein Frühstück vorbereite und starte mit wehendem Haar in einen neuen Tag.

...

Ich glaube, ich werde in Kürze verhungern. Meine Magenwände reiben sich aneinander und ich sitze untätig in meiner Starre gefangen herum. Mein letzter Urlaub hat mich ein paar Kilo leichter gemacht, denn wieder war ich in Trance. Das Meer, der Wind und die Wellen, (sowie eine Urlaubsliebe) sorgten für eine Pause von meinen Baustellen. Die Sonne malte Glitzer auf die relativ ruhige See und brachte mir Seelenfrieden. Die Tage und Nächte waren unbeschwert. Das Zusammensein mit A. war schön. Er ist ein Nordlicht und er strahlt Ruhe und Wärme aus. Er geht sorgsam und liebevoll mit mir um. Und er wünscht sich jemanden, der sein Leben mit ihm teilt. Ich möchte mir nichts vor machen – ich bin das sicherlich nicht. Ich bin ein Mängelexemplar und das wollte ich ihm auch sagen. Trotzdem nehme ich jeden Abend sein Shirt mit ins Bett und vergrabe meine Nase darin, um so etwas wie Trost zu finden. Als er mir schrieb, er hätte ein paar von den Sternen, die er mir geschenkt hat, bei sich behalten für die anderen „Schnecken“ , schließlich wäre er auch nur ein Mann, so wie alle anderen, rutschte mir das Herz in die Hose. Ich denke, er wollte auch noch mal sagen, dass es in der Zukunft kein UNS geben wird. Sicher weiß ich es nicht, aber alles andere wäre auch reine Utopie. Vielleicht schreiben wir uns auch weiterhin, aber ich darf die Realität dabei nicht vergessen. Ich bin böse auf mich, weil es mich so quält, weil ich so unfertig bin und verstockt. Mein zu Hause ist hier, solange ich für mein Kind und meine Mutter verantwortlich bin. Sein zu Hause ist am Meer. So oft wie er nur kann, wirft er sich mit seinem Brett in die Fluten. Vor meiner Tür fließt nur ein Kanal, auf dem ein paar Kohleschiffe auf und ab fahren. Seine letzte Fernbeziehung hat er beendet, weil sie nicht zu einem Miteinander führte. Es ist auch müßig darüber nachzudenken, warum er mir seine Telefonnummer zugesteckt hat. Vielleicht wollte er das, was ich vor 2 Jahren wollte – eine schöne, aber unverbindliche Zeit. Ich hab das mein ganzes Leben lang gewollt – einfach machen, nichts denken, einfach im JETZT sein und nicht pausenlos überlegen, was alles in Zukunft werden könnte, eben unbeschwert sein. Weil ich diese Leichtigkeit nicht habe, werde ich es sowieso kaputt machen. Würde er mich denn überhaupt wollen, mal abgesehen davon, dass wir uns ja noch gar nicht kennen? Und sollte meine Frage nicht eigentlich lauten: Würde ich ihn denn wollen???

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